FAQ

  1. Welche Bedeutung hat das HQextrem im Vergleich zu HQ100?

    Das HQ100 steht nach der Definition in der HWRM-Richtlinie für ein mittleres Hochwasserereignis. Es ist auch Grundlage für die Festsetzung von Überschwemmungsgebieten nach §76 Abs. 2 WHG in Verbindung mit Art. 46 Abs. 3 BayWG. Daneben ist es auch regelmäßig der maßgebende Hochwasserabfluss für die Dimensionierung von technischen Hochwasserschutzanlagen.

    Das HQextrem steht nach der Definition in der HWRM-Richtlinie für ein seltenes Hochwasserereignis. Es liegt keine vorgegebene Jährlichkeit für den Hochwasserabfluss zugrunde. Häufig wird der Extremabfluss auf 1,6 x HQ100 festgelegt. Der Überflutungsbereich bei HQextrem schränkt die Nutzung der Flächen gegenüber HQ100 nicht weiter ein und findet keinen Eingang in die Festsetzung von Überschwemmungsgebieten. Die Darstellung des HQextrem dient vorwiegend der Information und zur Abschätzung des Risikos bei extremen Hochwasserabflüssen. Sie ist auch eine wichtige Information für den Katastrophenschutz. Diesen seltenen Hochwasserereignissen kann meist nur durch Hochwasservorsorge und Katastrophenschutz begegnet werden.

  2. Welche Konsequenzen ergeben sich, wenn eine Neuberechnung leichte Abweichungen zu einem bereits früher festgesetzten Überschwemmungsgebiet ergibt?

    Grundsätzlich sind nach §76 Abs. 2 Satz 3 Wasserhaushaltsgesetz die Festsetzungen an neue Erkenntnisse anzupassen. Eine Anpassung ist grundsätzlich erforderlich, wenn sich die Abflussverhältnisse derart ändern, dass die ursprüngliche Festsetzung als überholt anzusehen ist. Bei laufenden oder geplanten Maßnahmen mit Einfluss auf den Wasserstand sind Neuberechnungen dann erforderlich, wenn im Überschwemmungsgebiet signifikante Änderungen vorgenommen wurden oder entstanden sind. Kleinere Eingriffe ins Gewässer erfordern nicht zwangsläufig eine Neuberechnung und Neuausweisung eines Überschwemmungsgebietes. Die Auswirkung von Eingriffen auf das Hochwassergeschehen wird im Einzelfall von der Fachbehörde bewertet und ggf. die Neuberechnung veranlasst.

  3. Wann ist Handlungsbedarf für einen technischen Hochwasserschutz gegeben?

    Als Anhaltspunkt können die Basis-Studien herangezogen werden, die die Wasserwirtschaftsämter an Gewässern erster und zweiter Ordnung erstellen. Ein Hochwasserschutz, der darin mit den Prioritäten 1, 2 oder 3 bewertet wird, sollte – wenn dies von der jeweiligen Kommune gewünscht ist – detaillierter untersucht werden. Im Einzelfall kann von dieser Regelung nach Experteneinschätzung aber auch abgewichen werden.

    An Gewässern dritter Ordnung muss in jedem Fall eine separate Bewertung und Auswahl der Maßnahmen in Abstimmung mit den Kommunen erfolgen, nachdem an diesen Gewässern keine Basis-Studien vorhanden sind.

  4. Können noch weitere Maßnahmen oder Gewässer in den Hochwasserrisikomanagement-Plan aufgenommen werden?

    Der Managementplan wurde Ende 2010 mit einer Gewässerkulisse von rund 2.000 Kilometern veröffentlicht. Für diese Gewässer ist zum Stand der Veröffentlichung ein signifikantes Hochwasserrisiko bekannt. Darüber hinaus gibt es weitere Gewässer, die zumindest lokale Hochwasserrisiken aufweisen oder die durch das Hochwassergeschehen in den nächsten Jahren eine Signifikanz erhalten. Die EU-Richtlinie fordert deshalb, dass der Managementplan erstmalig bis 2021 und danach alle 6 Jahre überprüft und ggf. aktualisiert wird.

    Der Managementplan Main ist so offen gehalten, dass auch vor den vorgegebenen Aktualisierungsfristen weitere Gewässer aufgenommen werden können. Das Vorgehen ist dabei mit dem jeweiligen Wasserwirtschaftsamt abzustimmen.