Hochwasserrisikomanagement

Hochwasserrisikomanagement ist nicht gleichbedeutend mit Hochwasserschutz. Es fokussiert vielmehr insbesondere Fragen der Hochwasservorsorge, der Hochwasserbewältigung und der Nachsorge. Somit sind alle Phasen vor, während und nach einem Hochwasser in das Hochwasserrisikomanagement einzubeziehen.
Die grundlegenden Ziele des Hochwasserrisikomanagements lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Vermeidung neuer Risiken im Vorfeld eines Hochwassers,
  • Reduktion bestehender Risiken im Vorfeld eines Hochwassers,
  • Reduktion nachteiliger Folgen während eines Hochwassers,
  • Reduktion nachteiliger Folgen nach einem Hochwasser.

Der bislang häufig eingesetzte technische Hochwasserschutz, wie beispielweise Deiche, Schutzmauern oder Rückhaltebecken, ist dabei nur einer von vielen Handlungsbereichen zur Erreichung dieser Ziele. Artikel 7, Ziffer 3, Absatz 3 der Richtlinie formuliert hierzu:

“Die Hochwasserrisikomanagementpläne erfassen alle Aspekte des Hochwasserrisikomanagements, wobei der Schwerpunkt auf Vermeidung, Schutz und Vorsorge, einschließlich Hochwasservorhersagen und Frühwarnsystemen, liegt und die besonderen Merkmale des betreffenden Einzugsgebietes bzw. Teileinzugsgebietes berücksichtigt werden.”

Wirksame Aktivitäten müssen deshalb keine kostenintensiven baulichen Maßnahmen sein. Es kann sich vielmehr um planerische Vorkehrungen wie die Ermittlung und Ausweisung von Vorranggebieten in der Regionalplanung oder das Festsetzen von Überschwemmungsgebieten handeln. Die Vorsorge umfasst beispielsweise auch die Information der Bevölkerung, die Ausstattung und Schulung der Einsatzkräfte, das bewusste Lernen aus abgelaufenen Hochwasserereignissen oder den Abschluss einer Elementarversicherung. Einen Überblick über Bereiche möglicher Aktivitäten innerhalb des Hochwasserrisikomanagements vermittelt nachstehende Abbildung.

Die bislang erfolgreiche Arbeit von Städten und Gemeinden, staatlichen Stellen, Katastrophenschutzstellen, Planern und vielen weiteren Verantwortlichen zum Schutz vor Hochwasser wird durch die neuen Anforderungen des Hochwasserrisikomanagements nicht in Frage gestellt. Umgang mit Naturgefahren heißt Umgang mit Risiken. Hochwasserrisiken müssen erkannt und bewertet werden, um darauf gemeinsam angemessen und verantwortungsvoll reagieren zu können.

Von Hochwasser betroffene Städte und Gemeinden sind die hauptsächlichen Nutznießer eines Hochwasserrisikomanagements. Das Aufzeigen von möglichen Gefahren und Risiken gibt wertvolle Hinweise für die Hochwasservorsorge und den Katastrophenschutz. Hochwassergefahrenkarten und -risikokarten helfen beim Aufstellen von Alarm- und Einsatzplänen und können eine wichtige Entscheidungshilfe bei kommunalen Planungen und gewerblichen Ansiedlungen sein. Sie helfen bei der Beratung Bauwilliger und geben so Planungssicherheit.

Die gesamtheitliche Betrachtung und Koordination aller Aktivitäten gewährleisten einen bestmöglichen Schutz vor Überflutung. Zumindest können Schäden reduziert werden. Die Zusammenschau aller zweckmäßigen Maßnahmen führt dazu, dass Handlungsempfehlungen entwickelt werden, die auch Gesichtspunkte wie Effektivität, Wirtschaftlichkeit und Verträglichkeit mit anderen Nutzungen berücksichtigen. So erhalten die Kommunen eine Grundlage, zielgerichtet den Schutz ihrer Einwohner zu verbessern und das Schadensrisiko zu vermindern.

Das verbesserte Wissen über die Gefahren gibt auch dem Einzelnen die Möglichkeit, baulich vorzusorgen und bei Hochwasser rechtzeitig zu reagieren, um so Schäden zu vermeiden.