Grundlegende Kriterien

Die Bestimmung der Risikogewässer basiert zunächst auf der Kenntnis von in der Vergangenheit abgelaufenen Hochwassern. Im Hochwassernachrichtendienst Bayern (www.hnd.bayern.de) sind in der Rubrik „Ereignisse/ Aktuelle Ereignisse“ abgelaufene Hochwasser dokumentiert. Die Dokumentationen beschreiben u.a. die Orte des Eintretens von Hochwasser, die ungefähre Ausdehnung von Überschwemmungen sowie ggf. entstandene nachteilige Auswirkungen. Hinsichtlich Hochwasser der jüngeren Vergangenheit sind insbesondere folgende Gewässer aufgeführt (Überschreitung der Meldestufe 1 im jeweiligen Jahr):

  • Fränkische Saale, Itz (2009),
  • Regnitz-/ Rednitz- Zuflüsse (z.B. Aisch, Zenn, Schwabach) (2008),
  • Quellflüsse des Mains, Rodach, Fränkische Saale (2008),
  • Maingebiet mit Zuläufen (z.B. Itz), Gebiet Regnitz, Oberer Main (2009/2010),
  • Oberer Main, Zuflüsse zu Regnitz und Rednitz, Fränkische Saale, Tauber (2008),
  • Westliches Mittelfranken, Mainquellflüsse mit Zuflüssen, nordwestliches Unterfranken (2007),
  • Fränkische Saale, Regnitz, weitere Mainzuflüsse, Unterlauf Main, Fränkische Rezat, Zenn, Aisch, Tauber (2007),
  • Oberer Main (z.B. Itz), Fränkische Saale, nördliche Mainzuflüsse, einzelne Zuflüsse der Regnitz, Tauber (2007),
  • Roter Main, Steinach (2006),
  • Weißer Main, Roter Main, Fränkische Saale, Itz, östliche Zuflüsse Regnitz (2006),
  • Flüsse der Frankenhöhe (z.B. Fränkische Rezat, Tauber), südöstliche Zuflüsse der Rednitz, Rednitz und Regnitz, Oberer Main, Fränkische Saale, Main (2006),
  • Flüsse der Frankenhöhe (z.B. Tauber, Fränkische Rezat, Aisch), Oberer Main, Fränkische Saale (2005),
  • Regnitz, Oberer Main, Itz, Fränkische Saale, schiffbarer Main (2005),
  • Fränkische Saale, Tauber, Untermain, oberfränkische Zuflüsse des Mains, Regnitz (2002/2003),
  • Oberer Main, Main, Fränkische Saale, Zuflüsse zur Regnitz (z.B. Aisch, Wiesent), Mud, Unterer Main (1998).

Im Hochwassernachrichtendienst Bayern können darüber hinaus weitere Hochwasserdokumentationen früherer Jahre abgerufen werden.

Obwohl nicht alle Hochwasserereignisse der letzten Jahre tatsächlich zu größeren Schäden geführt haben, so zeigen die Aufzeichnungen deutlich, dass mit Hochwassergefahren im Wesentlichen an den Gewässern zu rechnen ist, die einen nicht unerheblichen Beitrag zum Abflussgeschehen im Maineinzugsgebiet haben. Auch künftig muss in diesen Gebieten mit potentiell nachteiligen Auswirkungen bei Hochwasser gerechnet werden.

Aufzeichnungen über Hochwasser mit signifikanten Nachteilen auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten im Maineinzugsgebiet liegen insbesondere für folgende Gewässer vor:

  • 1909 (Gesamtes Main-Einzugsgebiet, u.a. Rodach, Roter Main, Itz, Wiesent, Regnitz)
  • 1920 (Rodach)
  • 1927 (Roter Main)
  • 1933 (Baunach)
  • 1940 (Fränkische Saale)
  • 1942 (Tauber)
  • 1947 (Wiesent, Aisch)
  • 1956 (Roter Main, Wiesent)
  • 1965 (Elsava, Aschaff)
  • 1967 (Rodach, Oberer Main, Itz)
  • 1968 (Roter Main)
  • 1969 (Baunach)
  • 1970 (Main, Roter Main, Fränkische Saale, Tauber, Gersprenz)
  • 1978 (Erf, Gersprenz)
  • 1981 (Itz, Aschaff, Kahl)
  • 1982 (Itz, Streu)
  • 1984 (Weißer Main, Roter Main)
  • 1988 (Tauber)
  • 1989 (Wern)
  • 1992 (Pleichach)
  • 1993 (Main und Seitengewässer, u.a. Tauber)
  • 1995 (Main und Seitengewässer, Roter Main, Weißer Main, Wiesent, Wern, Mömling, Elsava, Lohr)
  • 1998 (Aisch, Untere Regnitz, Tauber)
  • 2003 (Aisch, Fränkische Saale, Sinn, Lohr)
  • 2006 (Weißer Main)

Die Auswirkungen des Klimawandels u.a. auf das Hochwassergeschehen werden von der Arbeitsgemeinschaft KLIWA (Klimaveränderung und Wasserwirtschaft, www.kliwa.de) untersucht. Dabei ist festzustellen, dass aufgrund einer teilweise deutlichen regionalspezifischen Zunahme von Starkniederschlägen in den Wintermonaten (Oktober bis April) von einer Erhöhung der Hochwasserabflüsse in einzelnen Regionen Süddeutschlands auszugehen ist. Aufgrund der noch bestehenden Unsicherheiten bei den Klimamodellen gibt es derzeit aber noch Unsicherheiten, die Zunahme der Hochwasserabflüsse zuverlässig zu quantifizieren. Insofern ist damit zu rechnen, dass durch den Klimawandel besonders bei den Gewässern, die für das Abflussgeschehen im Maineinzugsgebiet bedeutend sind, eine Vergrößerung der Hochwasserrisiken auftreten wird.

Bei Starkregenereignissen können auch Überflutungen durch oberflächig wild abfließendes Wasser (Oberflächenabfluss), durch die Überlastung von Kanalisations- oder Abwassersystemen oder die Ausuferungen kleinerer Gewässer auftreten. Die Ursache für diese Überflutungen sind in Bayern kleinräumige konvektive Niederschlagszellen, die sich in kurzer Zeit mit großen Niederschlagshöhen und –intensitäten entladen. Solche Starkregenereignisse können prinzipiell überall auftreten, sind dann aber meist auf ein sehr kleines Gebiet beschränkt. Wegen der extrem geringen Auftretenswahrscheinlichkeit auf der einen und der lokalen Begrenztheit und damit einem relativ geringen Schadenspotential auf der anderen Seite, ist das Risiko für diese Überflutungen im Vergleich zu einem Flusshochwasser gering.

Eine signifikante Hochwassergefährdung infolge extremer konvektiver Niederschlagsereignisse tritt regelmäßig erst dann ein, wenn Abflussbildung und –konzentration so weit fortgeschritten sind, dass es zum Hochwasserabfluss in einem Fließgewässer kommt. Die dort auftretende Hochwassergefährdung ist in der Bewertung der Fließgewässer mit erfasst.

Überflutungen durch Grundwasser wurden in der Vergangenheit regelmäßig nur im Zusammenhang mit Hochwasser an Flüssen und Bächen auf den dort angrenzenden Flächen beobachtet. Somit werden auch diese durch die Bewertung des Hochwasserrisikos infolge von Überflutungen aus oberirdischen Gewässern erfasst. Weitergehende Betrachtungen sind dazu nicht erforderlich.

Besondere Hochwasserrisiken bestehen in Gebieten mit Wasserläufen und hohem Nutzungsdruck auf die Flächen. Im Maineinzugsgebiet sind dies insbesondere der Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen sowie die Entwicklungsachsen entlang der größeren Gewässer (z.B. Untermain), an denen sich schon immer die Siedlungstätigkeit orientiert hat. Diese Gebiete weisen auch in den Regionalplänen entsprechende Entwicklungstätigkeiten aus.