Ziele und Handlungsbedarf

Das Management von Hochwasserrisiken setzt voraus, dass diese Risiken von potentiell Betroffenen erkannt und bewertet werden können. Mit den Karten zur Hochwassergefahr und zu der Betroffenheit maßgeblicher Schutzgüter sind die Risiken nachvollziehbar aufgezeigt und quantifiziert worden. Für jede von Hochwasser betroffene Stadt und Gemeinde sind damit die Voraussetzungen geschaffen, sich aktiv an der weiteren Konkretisierung des Hochwasserrisikomanagements zu beteiligen.

Das allgemein formulierte Ziel ist auf der europäischen Ebene durch die Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie vorgegeben: Demnach sollen die Management-Pläne zur

„Verringerung der hochwasserbedingten nachteiligen Folgen auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten“

beitragen. Dieses Ziel ist auf allen Planungs- und Handlungsebenen der maßgeblichen Akteure zu konkretisieren - ein wesentlicher Schritt des Managements der Hochwasserrisiken. Die Konkretisierung der Ziele ist als fortlaufender Prozess zu sehen.

Schon mit dem Hochwasseraktionsplan Main sind wesentliche Vorarbeiten zur Erreichung des Ziels geleistet worden. So wurde der Handlungsbedarf bei der weiteren Festlegung von Maßnahmen deutlich, die über die Verbesserung des technischen Hochwasserschutzes hinausgehen. Denn letztlich muss erkannt werden, dass technischer Hochwasserschutz nur einen begrenzten, nie absoluten Schutz bieten kann und daher nur bis zu einem festgelegten Bemessungsabfluss Schäden vermeidet.

Die EG-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie fordert deshalb ganz bewusst, auch Hochwasser zu quantifizieren, das seltener ist als das hundertjährliche Hochwasser HQ100 (welches statistisch gesehen einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten wird). So bildet der Hochwasserrisikomanagement-Plan Einzugsgebiet bayerischer Main neben dem HQ100 auch ein extremes Hochwasser HQextrem ab.

Die Kenntnis der Überflutungsflächen bei Ablauf eines extremen Hochwassers zeigt hierbei einen Handlungsbedarf auf, der nicht so sehr in Richtung technischen Hochwasserschutz als vielmehr in Richtung Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz sowie Verhaltensvorsorge und Informationsvorsorge zeigt.